Was versteht man eigentlich unter Bürgerengagement?

Bürgerengagement bedeutet, dass sich Bürgerinnen und Bürger zugunsten des Gemeinwesens einbringen. Vereinfacht zusammengefasst ist es ein ehrenamtliches Engagement für sich selbst, gemeinsam mit anderen, für das Gemeinwohl.

Das Engagement kann unterschiedlich motiviert sein und verschiedenen Zwecken dienen. Erst im Bewusstsein einer Bedeutung für das Gemeinwohl und für einen selbst als Angehörigen des Gemeinwesens wird aber aus der freiwilligen Tätigkeit ein Engagement, das sich als bürgerschaftlich auszeichnet.

Durch die Definition wird klar, dass das klassische Ehrenamt in der Regel ebenfalls unter den Begriff „Bürgerschaftliches Engagement“ fällt. Ob Gemeinderäte, Schöffen, Vereinsvorsitzende oder andere „Ehrenamtsinhaber“, auch sie setzen sich gemeinsam mit anderen für das Gemeinwohl ein.

Die Selbsthilfe ist ein weiterer Bereich, der unter den Begriff des bürgerschaftlichen Engagements zu rechnen ist. Was in den unzähligen Selbsthilfegruppen heute geleistet wird, ist mehr als beachtenswert.

In fast allen Bereichen des Lebens finden sich heute freiwillig engagierte Menschen ohne die unsere Gesellschaft nicht mehr auskommen würde. Es gibt unzählige Möglichkeiten sich zu engagieren und nach wie vor Menschen, die eine passende Tätigkeit suchen. Da sind weiterhin Ideen und Initiativen gefragt.

Ursprünge des Ehrenamts und seine Entwicklung bis zum Ende des 19. Jahrhundert

Die Schöffen im Mittelalter waren wohl die ersten Ehrenamtlichen, die auch als solche wahrgenommen wurden. Die Bezeichnung „Schöffe“ für ehrenamtliche Richter aus der Bürgerschaft tauchte bereits im Jahr 774 n.Chr. erstmals auf. Es handelte sich damals allerdings um ein unbezahltes Pflichtamt.
Auch heute noch kann die Berufung zum Schöffen nur in wenigen begründeten Fällen abgelehnt werden. In der Praxis aber fordern die Gemeinden in Aufrufen oder Anzeigen Interessierte auf, sich für das Schöffenamt zu bewerben; in anderen Gemeinden benennen die Parteien, Religionsgemeinschaften, Gewerkschaften, Vereine und Wohlfahrtsverbände geeignete Kandidatinnen und Kandidaten. Personen, die sich nicht von einer Organisation vorschlagen lassen wollen, können sich auch selbst bei der Gemeinde melden. Zum Schöffe berufen werden also letztlich nur Personen, die dieses Amt auch wahrnehmen möchten.

Im 18. Jahrhundert begannen Ehrenamtliche, sich um die Versorgung von Armen mit Almosen zu kümmern. 1788 wurden in Hamburg erstmals Ehrenamtliche offiziell zu Armenpflegern ernannt. Dies war auch der Beginn unserer heutigen Sozialarbeit.

Im November 1808 wurde in der Preußischen Städteordnung zum ersten Mal die Mitbestimmungsmöglichkeit des Bürgertums festgeschrieben, was wiederum den Ursprung unseres heutigen Gemeinderats darstellt.

Immer mehr Bürgerinnen und Bürger begannen, sich in den Kirchen und sozialen Organisationen zu engagieren, die damals ins Leben gerufen wurden. So erfolgte 1848 der Aufruf zur Gründung des „Central-Ausschusses für die Innere Mission der deutschen evangelischen Kirche“ als Vorgänger des Diakonischen Werkes. 1866 wurden dann die „Vaterländischen Frauenvereine vom Roten Kreuz“ als Vorläufer des Deutschen Roten Kreuzes und 1897 der Caritasverband für das katholische Deutschland, also der heutige Deutsche Caritasverband, gegründet.

Im 20. Jahrhundert wurde immer deutlicher welch großes und für das Gemeinwesen unverzichtbares Potential im Engagement der Bürgerinnen und Bürger liegt.

Entwicklung des Ehrenamts im 20. Jahrhundert bis 1960

Nachdem gegen Ende des 19. Jahrhunderts die ersten großen sozialen Einrichtungen ihre Arbeit aufnahmen, erfolgte nun die Gründung verschiedener Wohlfahrtseinrichtungen. So wurde 1917 die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, heute heißt sie „Zentralwohlfahrtstelle der Juden in Deutschland“, ins Leben gerufen und 1919 die Arbeiterwohlfahrt. Aus der 1923 gegründeten „Deutschen Liga der Freien Wohlfahrtsverbände“ ging später, nach dem Zweien Weltkrieg, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege hervor. 1924 wurde dann vorerst der letzte Wohlfahrtsverband in Deutschland gegründet, nämlich der Paritätische Wohlfahrtsverband.

Von 1933 bis 1945 wurde die Tätigkeit der meisten Wohlfahrtsverbände durch die Nationalsozialisten extrem eingeschränkt. Teilweise wurden sie sogar verboten und aufgelöst. Auch in anderen Bereichen wurde das freiwillige Engagement der Bürgerinnen und Bürger stark eingeschränkt oder unmöglich gemacht. Gleichzeitig wurden aber viele Menschen zu einem „Ehrenamt“ gezwungen, „zum Wohle des Volkes“ versteht sich.

Nach Kriegsende nahmen die Wohlfahrtsverbände in Westdeutschland ihre Tätigkeit alsbald wieder auf. Die Arbeit der Verbände in Ostdeutschland wurde jedoch erneut eingeschränkt. Erst ab 1990 konnten die ostdeutschen und westdeutschen Wohlfahrtsverbände wieder zusammengeführt werden.

Das freiwillige ehrenamtliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger nahm nach dem Krieg stetig zu. In immer mehr Bereichen des Lebens wurden Ehrenamtliche aktiv. Neue soziale Einrichtungen kamen hinzu, die auf die Hilfe von Ehrenamtlichen angewiesen sind. Nach und nach erkannte die Gesellschaft das Potential, das in den ehrenamtlich Engagierten steckt. Immer mehr Menschen machten die Erfahrung, dass man gemeinsam einfach mehr erreichen kann.

Dass das Ehrenamt heute gezielt gestützt und gefördert wird, verdanken wir dem Verein „Aktion Gemeinsinn“. Er wurde 1957 auf einer Tagung über Werbung und Ethik gegründet und machte sich, nach einem amerikanischem Vorbild, nämlich dem National Advertising Council, die Förderung des Ehrenamts in der Bundesrepublik Deutschland zur Aufgabe

Der Verein „Aktion Gemeinsinn“ und sein amerikanisches Vorbild

Eine freiwillige und unbezahlte Tätigkeit wird in den USA mit dem Begriff "Volunteering" bezeichnet. Historisch gesehen basiert Volunteering auf der Notwendigkeit von Selbsthilfe, die für Einwanderer überlebenswichtig war.

Volunteering, Politik und Wirtschaft haben in den USA ein dichtes Netz von positiven und komplexen Beziehungen entwickelt. So haben sich ganze Industrien auf den Bedarf an Publikationen, Weiterbildung, Software und Dankesartikeln für Volunteers eingestellt. Universitäten und Berater bieten ihre Dienste für den möglichst professionellen Einsatz der Volunteers an. Volunteering erfreut sich sehr hoher Akzeptanz in der Bevölkerung und wird mittlerweile beinahe als Selbstverständlichkeit gesehen.

Wie ihr amerikanisches Vorbild hat die Aktion Gemeinsinn von Anfang an zwischen bewusstseinsverändernden und zu aktiver Tat aufrufenden Kampagnen unterschieden, wobei sich die zweite Phase aus der ersten entwickeln sollte.

Ziel der Aktion Gemeinsinn war stets, die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland gegenüber jeweils drängenden gesellschaftlichen und politischen Problemen zu sensibilisieren und sie zu aktivem persönlichen Engagement anzuregen, damit die zurecht immer wieder eingeforderte Bürgergesellschaft in Deutschland tatsächlich entstehen bzw. weiter ausgebaut werden kann. Ein weiterer Kerngedanke ist daher: Bürgerinnen und Bürger müssen selber die Dinge in die Hand nehmen, die der Staat nicht tun kann oder nicht tun sollte.

Entwicklung des Ehrenamts ab 1960 bis in die 90er Jahre

In den 60er und 70er Jahren waren Ehrenamtliche fast ausschließlich in Vereinen, Organisationen, Wohlfahrtsverbänden und Kirchen tätig. Die Menschen engagierten sich in dieser Zeit hauptsächlich aus Nächstenliebe oder der Ehre wegen.

In den 80er Jahren entstanden dann neue Formen des Engagements. Es gründeten sich verschiedenste Initiativen und Gruppen. Die ersten Selbsthilfegruppen wurden gebildet. Es waren vor allem Kranke und Behinderte sowie deren Angehörige und Ärzte, die erkannten, dass hier Handlungsbedarf besteht. Ständig neue Informationen zum aktuellen Stand der Wissenschaft beschaffen, sich um alle Begleiterscheinungen und Auswirkungen einer Krankheit kümmern sowie die soziale Isolierung verhindern, das kann kein Arzt alleine leisten.

Mit den gesellschaftlichen Veränderungen in den 90er Jahren wurde mehr und mehr deutlich, dass bürgerschaftliches Engagement in Zukunft eine unverzichtbare Bedingung für den Zusammenhalt der Gesellschaft sein wird. Nach der Wiedervereinigung 1989 war der Modernisierungsdiskurs deutlich spürbar. Dem Non-profit-Sektor wurden entscheidende Erneuerungs- und Problemlösungspotentiale zugesprochen. Der sogenannte dritte Sektor, neben Staat und Marktwirtschaft, gewann immer mehr an Bedeutung. Aus dem Wohlfahrtsstaat sollte nun eine Wohlfahrtsgesellschaft werden und die Selbstbestimmung der Bürger gestärkt werden.

Es entstanden Selbsthilfekontaktstellen, die Betroffenen weiterhelfen und Seniorenbüros, die ältere Menschen zu freiwilligem Engagement anregen und beraten, aber auch ausbilden und begleiten. Sie sind damit Informations-, Beratungs- und Vermittlungsstelle für engagierte Mitmenschen in der dritten Lebensphase: Männer und Frauen nach der Erwerbs- oder Erziehungsarbeit, im Vorruhestand oder von Arbeitslosigkeit Betroffene.

In den 90er Jahren begann dann auch die offizielle Förderung von Bürgerschaftlichem Engagement durch die Landesregierung, den Bund und die Kommunen. Um das freiwillige Engagement bestmöglich unterstützen zu können wurden verschiedenste Arbeitsgruppen gebildet sowie diverse Untersuchungen und Berichte in Auftrag gegeben.

Entwicklung des Bürgerschaftlichen Engagements ab 1990

In den 90er Jahren erkannten Kommunen, - Landes- und Bundesregierung, dass die Förderung und Unterstützung des Bürgerschaftlichen Engagements ungemein wichtig ist, da der Staat viele Probleme nicht mehr alleine bewältigen kann. Er benötigt vielmehr die Hilfe von engagierten Bürgerinnen und Bürgern.

Bei Untersuchungen zeigte sich, dass weit mehr Personen zu einem Engagement bereit sind, als ursprünglich angenommen. Es kam nur darauf an, die richtigen Angebote zu machen. Viele Menschen wollten sich nicht an Vereine oder soziale Einrichtungen binden sondern sich nur sporadisch für ein bestimmtes Ziel oder in einem zeitlich begrenzten Projekt engagieren. Diese Möglichkeit bestand nun beispielsweise in den Arbeitsgruppen der Lokalen Agenda 21.

Im 21. Jahrhundert global denken und lokal handeln, das war der Grundgedanke, zu dem sich 1992 bei einer Weltkonferenz in Rio de Janeiro 178 Staaten bekannten. Agenda heißt „was zu tun ist“. Darüber sollten die lokal eingerichteten Agenda-Akteure nachdenken und dann Aktionsprogramme erstellen, mit dem Ziel, die natürlichen Lebensgrundlagen, wirtschaftliche Stabilität und soziale Gerechtigkeit langfristig zu sichern. Viele Arbeitsgruppen wurden gebildet, die eine Vielzahl von Projekten durchführten. Das Handlungsprogramm wurde vielerorts immer weiter ausgebaut. Die Landesanstalt für Umweltschutz (lfu), heute Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW), richtete ein Agenda-Büro ein, das seither den Prozess begleitet und unterstützt.
1993 wurde das Landesforum Ehrenamt und Bürgerschaftliches Engagement als Expertenrunde ins Leben gerufen. Seitdem treffen sich einmal jährlich unter der Leitung des Kultusministeriums hochrangige Repräsentant/innen aus den verschiedenen Bereichen des Ehrenamts (u.a. des Sports, der Laienkultur, des Jugendbereichs, der kommunalen Landesverbände, der Wirtschaft, der Kirchen und des sozialen Bereichs) zum Austausch untereinander und mit den Ministerien. Das Gremium sollte somit eine Verbindung sein zwischen der Basis der ehrenamtlich Tätigen und den Ministerien.
1994 schlossen sich 80 Senioreninitiativen, unabhängige örtliche und kommunale Projektgruppen, die sich im Zuge neuer Formen des Engagements (Gegenseitigkeit, Gemeinwohl, verbandsunabhängig) und Vereine zur ARBES (Arbeitsgemeinschaft Bürgerschaftliches Engagement / Seniorengenossenschaften) zusammen. Die ARBES unterstützt seither als Dachverband des Bürgerschaftlichen Engagements die gemeinsamen Ziele der Initiativen und fördert die Vernetzung.

1995 formierte sich aus verschiedenen Wohlfahrtsverbänden und Interessenverbänden, z.B. Landes-Seniorenrat, Landesjugendring, Landesfrauenrat, ARBES etc. das Forum Landesnetzwerk und im Sozialministerium Baden-Württemberg wurde die Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements eingerichtet. Diese baute das Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement auf, das aus Städte-, Gemeinde- und Landkreistag sowie dem Forum Landesnetzwerk besteht.

Für die Aktivitäten in Sachen Bürgerschaftliches Engagement (BE) wurde im Sozialministerium eine Stabsstelle eingerichtet, die den gesamten Prozess voranbrachte und auch heute noch umfassend begleitet. Über sie bekommen Sie alle Informationen zum aktuellen Stand in Sachen Bürgerengagement in Deutschland.

Was sind Bürgerstiftungen?

In Amerika sind die sogenannten „Community Foundations“ seit über 80 Jahren bekannt und bewährt. 1996 wurde in Deutschland die erste Bürgerstiftung gegründet, die „Stadt Stiftung Gütersloh“. Danach gab es eine richtige Gründungswelle, da auch bei uns schnell erkannt wurde, welch vielfältige Möglichkeiten sich durch diese Art von Stiftung für eine Stadt oder Gemeinde ergeben.

Bürgerstiftungen werden von einer Gemeinschaft von Stiftern und Zustiftern gegründet, die das Kapital erst danach langfristig durch eine Vielzahl eher kleinerer Zustif-tungen aufbauen. Dadurch kann sich jeder leisten, Stifterin oder Stifter zu werden.

Eine Bürgerstiftung muss ihr Geld nicht „zeitnah verwenden“, sondern kann langfristig arbeiten. Das Stiftungsvermögen selbst bleibt unangetastet. Dies macht die Bürgerstiftung langfristig unabhängig von der wirtschaftlichen Situation, den politischen Mehrheiten und der wechselnden Spendenbereitschaft der Bürger.

Bürgerstiftungen sind "Stiftungen für Dich und Mich":

Sie sind unabhängige, autonom handelnde, gemeinnützige Stiftungen von Bürgern für Bürger und engagieren sich nachhaltig und dauerhaft für das Gemeinwesen in einem geographisch begrenzten Raum, meist einer Stadt oder Gemeinde. Bürgerstiftungen sind in der Regel fördernd und operativ für alle Bürger ihres definierten Einzugsgebietes tätig. Sie unterstützen mit ihrer Arbeit bürgerschaftliches Engagement.

Der Arbeitskreis Bürgerstiftungen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen hat die Merkmale einer Bürgerstiftung zusammengetragen.

Unter www.aktive-buergerschaft.de/bsi/praxis/merkmale können diese nachgelesen werden.

Bürgerschaftliches Engagement erhält weitere Unterstützung

  • Seit 1997 beschäftigt sich die neu gegründete interministerielle Arbeitsgruppe (IMA) Ehrenamt und Bürgerschaftliches Engagement mit der gezielten Förderung. Es treffen sich dort regelmäßig VertreterInnen aus folgenden Ministerien des Landes: Staatsministerium, Innenministerium, Umwelt- und Verkehrsministerium, Sozialministerium, Wirtschaftsministerium, Justizministerium, Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum, Wissenschaftsministerium, Finanzministerium und Kultusministerium.
  • 1999 - Enquete Kommission „Zukunft des BE“ wird im Bundestag eingerichtet. Laut Geschäftsordnung ist sie dazu da, Entscheidungen über umfangreiche und bedeutsame Sachkomplexe vorzubereiten
  • 2000 - erste Bürgermentoren werden ausgebildet. Sie sollen neue Ansprechpartner für BE in den Kommunen sein.
  • Fachkräfte in Sachen BE in den Kommunen treffen sich. Das Netzwerk FaLBE (Fachkräfte im Landesnetzwerk BE) wird gegründet.
  • 2001 - internationales Jahr der Freiwilligen, das die Aufmerksamkeit für BE noch mehr steigert und Anlass für viele Gemeinden ist, die Struktur der Förderung zu verbessern, z.B. durch Einrichtung von Anlaufstellen, Erweiterung der Anerkennungskultur und Qualifizierungsangebote
  • 2002 - im Februar wird der Bericht der Enquete Kommission „BE und Zivilgesellschaft – Zukunft des BE“ vorgelegt.
  • 2002 - Bundesnetzwerk BE entsteht
  • 2003 - im März unterschrieben Abgeordnete des Bundestages gemeinsam mit Vertretern der Sparkassen, des Deutschen Städtetages, des Deutschen Landkreistages und des Deutsche Städte- und Gemeindebundes eine Absichtserklärung zur Förderung des Bürgerengagements in Deutschland. Die Initiative „für mich, für uns, für alle“ war geboren.
  • 2003 - das Zentrum für zivilgesellschaftliche Entwicklung an der ev. FH Freiburg führt Forschung, Beratung und Lehre in Sachen BE zusammen.

BE erhält weitere Unterstützung von Bund und Land

Seit 1997 beschäftigt sich die neu gegründete interministerielle Arbeitsgruppe (IMA) Ehrenamt und Bürgerschaftliches Engagement mit der gezielten Förderung. Es treffen sich dort regelmäßig Vertreterinnen und Vertreter aus folgenden Ministerien des Landes: Staatsministerium, Innenministerium, Umwelt- und Verkehrsministerium, Sozialministerium, Wirtschaftsministerium, Justizministerium, Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum, Wissenschaftsministerium, Finanzministerium und Kultusministerium. Die Förderaktivitäten der unterschiedlichen Ministerium werden in diesem Gremium entwickelt und aufeinander abgestimmt.

1999 wird die Enquete Kommission „Zukunft des BE“ im Bundestag eingerichtet. Laut Geschäftsordnung ist die Enquete Kommission dazu da, Entscheidungen über umfangreiche und bedeutsame Sachkomplexe vorzubereiten. So wurde zunächst der aktuelle Stand des bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland hinsichtlich Erscheinungsformen, Rahmenbedingungen, Bedingungsfaktoren etc. ermittelt und ein internationaler Vergleich hergestellt.

Die anschließende Ausarbeitung von Handlungsempfehlungen sollte mit Vorschlägen zur stärkeren Motivation und zur Art der staatlichen Förderung zu besseren Rahmenbedingungen für das bürgerschaftliche Engagement auf Bundes, Landes und kommunaler Ebene führen.

Weitere Einzelheiten zur Enquete Kommission sind zu finden unter www.bundestag.de/bp/1999/bp9912/9912021b.html

Einige zentrale Empfehlungen der Enquête-Kommission können unter www.buergerengagement.de/3_expedition/empfehlung.php nachgelesen werden.

Im Jahre 2000 wurden die ersten Bürgermentoren ausgebildet, welche heute in vielen Kommunen ein wichtiges Standbein des ehrenamtlichen Engagements sind. Bürgermentoren fördern und unterstützen das Bürgerschaftliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger und fungieren je nachdem als Ansprechpartner, Vermittler, Netzwerker, Initiatoren oder Berater. Sie sind in der Regel auch Bindeglied zwischen Bürgerschaftlich Engagierten, Politik und Kommunalverwaltung.

Das Bürgermentorat

Grundidee des Mentorats ist die Weiterentwicklung des Bürgerengagements durch Bürgerinnen und Bürger, die über ihre eigenen Interessen und die Anliegen von einzelnen Vereinen und Initiativen hinaus das Gemeinwohl in ihrer Gemeinde im Blick haben. Sie können mit ihren persönlichen Kompetenzen und Erfahrungen sowie den Erkenntnissen aus einem Mentorenkurs Initiatoren, Ansprechpartner, Vermittler, Netzwerker oder Berater für Engagierte oder Engagementwillige sein und sind damit auch für die Gemeinde hilfreiche Unterstützer und Ratgeber. Sie sind also unter anderem auch Bindeglied zwischen Politik, Verwaltung und Bürgerschaft.
In einem Mentorenkurs wird das passende Aktivitätsprofil des zukünftigen Mentors in Abstimmung mit den örtlichen Gegebenheiten entwickelt. Das Qualifizierungsprogramm umfasst insgesamt 40 Stunden verteilt auf drei bis vier Monate und endet mit der Übergabe eines Abschlusszertifikats. Die Kurse werden unterstützt, auch finanziell, vom Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement, von der Landesstiftung Baden-Württemberg und dem Paritätischen Bildungswerk Baden-Württemberg, das auch die Bausteine des Kurses entwickelt hat.
Kurse für Bürgermentoren werden grundsätzlich von einem Trainertandem durchgeführt, das aus einer hauptamtlich mit Bürgerengagement befassten und mindestens einer ehrenamtlich aktiven Person besteht. Die Ausbildung zum Trainer oder zur Trainerin führt ebenfalls das Paritätische Bildungswerk in Stuttgart durch. Alle Kurse werden für die Teilnehmer unentgeltlich angeboten. In Malsch gibt es mittlerweile drei Mentorentrainer, die im laufenden Jahr 2008 auch den ersten Mentorenkurs anbieten werden. Wir würden uns freuen, wenn Sie sich zur Teilnahme an dem Kurs entschließen würden. Die Teilnahme ist auch hier kostenlos. Wann der erste Mentorenkurs genau stattfindet, wird hier im Internet und im Gemeindeanzeiger veröffentlicht. Interessenten können sich aber auch schon vorab melden.

Kontaktstelle für Bürgerschaftliches Engagement in der Gemeindeverwaltung ist Frau Corinna Ursprung im Hauptamt, Telefon 07246 707–204, E-Mail: corinna.ursprung@malsch.de

Das internationale Jahr der Freiwilligen und seine Auswirkungen

In immer mehr Kommunen des Landes wurden Mitarbeiter als Ansprechpartner und Förderer für Bürgerschaftliches Engagement bestimmt. Diese Fachkräfte in Sachen BE gründeten 2001 das Gremium namens FaLBE „Fachkräfte im Landesnetzwerk BE“. Regelmäßige Tagungen zu unterschiedlichen Themen und der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen unterstützen seither die hauptamtlich mit Bürgerschaftlichem Engagement Befassten bei ihrer Tätigkeit.

Durch das internationale Jahr der Freiwilligen 2001 stieg die Aufmerksamkeit für Bürgerschaftliches Engagement noch weiter. Dies war für viele Kommunen der Anlass, die Struktur der Förderung zu verbessern. Zahlreiche Anlaufstellen wurden eingerichtet, Anerkennungskultur entwickelt, Qualifizierungsangebote zusammengestellt und vieles mehr. Im Folgejahr waren besonders viele Aktivitäten zu verzeichnen.

Im Juni 2002 wurde der Bericht der Enquete Kommission „BE und Zivilgesellschaft – Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“ vorgelegt. Der Bericht ist als pdf-Datei im Internet hinterlegt unter: http://dip.bundestag.de/btd/14/089/1408900.pdf

Nicht zuletzt auf Empfehlung der Enquete Kommission wurde im Juni 2002 das Bundesnetzwerk BE gegründet. Umfassende Informationen hierzu finden Sie unter www.b-b-e.de

Im Juli 2002 bewegte sich die Karawane des Ehrenamts durch 50 Städte in Baden-Württemberg von Ulm nach Karlsruhe. Mit den Dromedaren wanderten jeweils Vertreter des einen Ortes zum nächsten. An jeder Station fanden diverse Aktionen statt und rückten damit das Thema Bürgerschaftliches Engagement erneut in den Vordergrund.

Im März 2003 unterschrieben Abgeordnete des Bundestages gemeinsam mit Vertretern der Sparkassen, des Deutschen Städtetages, des Deutschen Landkreistages und des Deutschen Städte- und Gemeindebundes eine Absichtserklärung zur Förderung des Bürgerengagements in Deutschland. Die Initiative „für mich, für uns, für alle“ war geboren. Sie verleiht unter anderem jedes Jahr den bislang größten nationalen Ehrenamtspreis.

Ganze 1.000 Bewerbungen wurden 2006 eingereicht. Die Gewinner erhielten Sachpreise im Gesamtwert von insgesamt 30.000 Euro. Mehr als 160 Bürgerpreise in verschiedenen Kategorien wurden in einem Gesamtwert von über 179.000 Euro auf lokaler und regionaler Ebene verliehen. Thematischer Schwerpunkt 2007 ist „Sportlich aktiv“. Informationen zur Initiative und zum Bürgerpreis erhalten Sie unter www.buergerengagement.de/1_initiative/index.php.

Sozialministerium Baden-Württemberg und Bürgerschaftliches Engagement von 1990 bis 2003

Am 5. September 1990 wurde die Geschäftsstelle Seniorengenossenschaften im Sozialministerium eingerichtet und bereits 1991 zur Geschäftsstelle Seniorengenossenschaften und Bürgerschaftliches Engagement ausgebaut. Sie sollte insbesondere Programme und Projekte entwickeln um die Solidarität und Selbstverantwortung in der Gesellschaft zu stärken. Im Grußwort zum Geschäftsbericht 1990 bis 2000 erklärt Dr. Friedhelm Repnik die damaligen Beweggründe zur Einrichtung dieser Geschäftsstelle.
Zum einen war gegen Ende der achtziger Jahre deutlich geworden, dass der Sozialstaat der Zukunft mit seinen Bürgern auch auf andere Weise als über finanzielle Transfers in Kontakt treten sollte. Die Anzeichen, dass ohne eine stärkere Einbeziehung der Bürger eine Entwicklung droht, die durch Verdrossenheit und Abkehr von demokratischer Willensbildung gekennzeichnet ist, verdichteten sich.
Zum anderen gab es eine an Wohnstrukturen für und mit alten Menschen ausgerichtete Vorschlagsgestaltung zweier Abgeordneter, die zur Umsetzung ihrer Überlegungen anrieten, den Genossenschaftsgedanken neu zu beleben.

Tatsächlich gelang es in den Jahren darauf, etwa ein Dutzend Seniorengenossenschaften so zu verfestigen, dass sie an ihren Standorten bis heute Anlaufpunkt und Mitgestalter des Gemeindelebens sind.

Ab 1993 erweiterte die Geschäftsstelle ihr Programm auf Selbsthilfe und generationenübergreifende bürgerschaftliche Aktivitäten im Gemeinwesen. Selbsthilfekontaktstellen, Seniorenbüros, Bürgerbüros, Freiwilligenagenturen von Wohlfahrtsverbänden, Börsen und Anlaufstellen wurden in einem Programm in Zusammenarbeit mit den kommunalen Landesverbänden integriert. Die Geschäftsstelle wurde zum Landesnetzwerkknoten.

Aufgrund des hohen Anteils an persönlicher Überzeugungsarbeit konnte die Besatzung der Geschäftsstelle mit Herrn Dr. Konrad Hummel an der Spitze bereits in den ersten zehn Jahren ihrer Existenz wichtige Akzente setzen. Alle Mühe staatlicher Verwaltung sollte in diesem Bereich das Handeln des Bürgers aus eigenem Antrieb, dazu entsprechende Bildungsmöglichkeiten, Informationen im Ehrenamts- und Selbsthilfebereich sowie umfassende Vernetzungsarbeit in den Mittelpunkt stellen.

Es galt vor allem, die eigenständigen Entscheidungen der Bürgerinnen und Bürger, wofür sie sich wann und in welcher Intensität in ihrem eigenen Umfeld zum gemeinen Wohl einsetzen wollen, zu respektieren und dann so zu unterstützen und zu vernet-zen, dass gelebte Eigenverantwortung weiter wachsen konnte.

Seit dem Jahr 2000 fungiert die Geschäftsstelle als Entwicklungsabteilung der kommunalen Vernetzung und Modernisierung der Freiwilligenmethodik, sowohl auf praktischer Ebene als auch durch Bewusstseinsbildung.

2003 wurde die Geschäftsstelle zu einer Stabsstelle umgewandelt und heißt heute „Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement und Freiwilligendienste“.
Die Stabsstelle verbindet die Gemeinde-, Städte- und Landkreisnetzwerk im Bürgerschaftlichen Engagement mit den Netzwerken von Bund und Land und ist somit für alle Netzwerke eine wichtige Ansprechpartnerin.
Die Stabsstelle Bürgerengagement und Freiwilligendienste im Ministerium für Arbeit und Soziales steht auch in direktem Kontakt zu den freiwillig engagierten Bürgerinnen und Bürgern im Land. Sie ist Anlaufstelle für Organisationen, Gruppen und Initiativen, wenn bei Fragen rund um das Bürgerschaftliche Engagement Beratung und Unterstützung benötigt wird.

 

Wichtige Links!

Stabsstelle Bürgerengagement und Freiwilligendienste des Ministeriums für Arbeit und Soziales Baden-Württemberg

(zur Internetseite - bitte auf das Logo klicken.)

Logo der Stabsstelle

Arbeitsgemeinschaft des Bürgerschaftlichen Engagements e.V. (ARBES), ein freiwilliger Zusammenschluss von bürgerschaftlich engagierten Gruppierungen auf Landesebene

http://www.arbes-bw.de

Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement
www.b-b-e.de